{"id":1058,"date":"2023-08-17T01:40:50","date_gmt":"2023-08-16T23:40:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.starsellersworld.com\/intl\/?p=1058"},"modified":"2025-03-03T22:14:35","modified_gmt":"2025-03-03T21:14:35","slug":"wie-haendler-ihre-preise-dynamisch-anpassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.starsellersworld.com\/intl\/wie-haendler-ihre-preise-dynamisch-anpassen\/","title":{"rendered":"Wie H\u00e4ndler ihre Preise dynamisch anpassen"},"content":{"rendered":"\n<p>Onlineh\u00e4ndler sammeln Daten und passen Preise in Echtzeit an. Kennt man das System, kann man sich gegen die Datensammelei wehren und bessere Preise erzielen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1220\" height=\"686\" src=\"https:\/\/www.starsellersworld.com\/intl\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/ct2023dynamicpr_125752_mon_jnac_online-7a59cb2b7e4c47fa.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-1059\" srcset=\"https:\/\/www.starsellersworld.com\/intl\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/ct2023dynamicpr_125752_mon_jnac_online-7a59cb2b7e4c47fa.webp 1220w, https:\/\/www.starsellersworld.com\/intl\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/ct2023dynamicpr_125752_mon_jnac_online-7a59cb2b7e4c47fa-300x169.webp 300w, https:\/\/www.starsellersworld.com\/intl\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/ct2023dynamicpr_125752_mon_jnac_online-7a59cb2b7e4c47fa-1024x576.webp 1024w, https:\/\/www.starsellersworld.com\/intl\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/ct2023dynamicpr_125752_mon_jnac_online-7a59cb2b7e4c47fa-768x432.webp 768w\" sizes=\"(max-width: 1220px) 100vw, 1220px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>nton, Berta und Claus planen eine Reise. Die drei recherchieren gemeinsam auf einer bekannten Buchungsplattform, sitzen aber an unterschiedlichen Orten und nutzen unterschiedliche Ger\u00e4te. Anton ist Stammkunde und mit seinem iPhone ins Nutzerkonto des Portals eingeloggt. Berta sucht mit ihrem Android-Smartphone auf der Plattform, ohne sich dort anzumelden. Claus sitzt am PC, hat alle Cookies abgelehnt und surft mit maximaler Datenminimierung. \u00dcberrascht stellen die drei fest, dass die Plattform jedem von Ihnen f\u00fcr dasselbe Hotel im selben Buchungszeitraum einen anderen Preis anzeigt. Einen Tag sp\u00e4ter schauen die drei noch einmal nach und sehen neue Preise.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Szenario ist durchaus realistisch: Angesichts der M\u00f6glichkeiten, die sich Onlineh\u00e4ndlern und zunehmend auch dem station\u00e4ren Einzelhandel bieten, erscheinen die Preisspr\u00fcnge an der Tankstelle fast schon langweilig.<\/p>\n\n\n\n<p>Da H\u00e4ndler kaum dar\u00fcber sprechen, kursieren neben Fakten zahlreiche Hypothesen und Ger\u00fcchte \u00fcber dynamische Preisbildung, auch &#8222;Dynamic Pricing&#8220; genannt. W\u00e4hrend allgemeine kurzfristige Preis\u00e4nderungen sofort auffallen, ist die Lage bei pers\u00f6nlich zugeschnittenen Angeboten diffus. Wir untersuchen, wie dynamische Preisbildung funktioniert, ob und wie H\u00e4ndler sie ausnutzen und wie Sie als Kunde damit umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"nav_was_ist__0\">Was ist &#8222;Dynamic Pricing&#8220;?<\/h3>\n\n\n\n<p>Online k\u00f6nnen Kunden Preise deutlich besser vergleichen als im station\u00e4ren Handel und zum Beispiel auf Preisvergleichsportalen nahezu in Echtzeit das g\u00fcnstigste Angebot heraussuchen. Zugleich versuchen H\u00e4ndler, einen m\u00f6glichst hohen Preis zu erzielen. Mit Analyseprogrammen vergleichen sie ihr Angebot mit dem der Konkurrenz und passen Preise bei Bedarf sogar mehrmals t\u00e4glich an. Besonders an umsatzstarken Tagen wie dem &#8222;Black Friday&#8220; im Vorweihnachtsgesch\u00e4ft kommt es so zu wahren Preisschlachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Handelsexperten sprechen von Dynamic Pricing. Daf\u00fcr nutzen H\u00e4ndler sogenannte Pricing-Tools, also Software, die mit einer F\u00fclle von Datenpunkten den optimalen Preis f\u00fcr ein Produkt ermittelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Software recherchiert bei den meistverkauften Produkten mitunter \u00fcber hundert Vergleichspreise pro Tag, indem sie bei der Konkurrenz die Angebote durchst\u00f6bert. Schon heute machen solche Bots gesch\u00e4tzte drei Viertel aller Suchanfragen bei gro\u00dfen Onlineh\u00e4ndlern aus. F\u00fcr die eigenen Preisvorschl\u00e4ge ber\u00fccksichtigt die Software auch Angebote in Preissuchmaschinen und Werbenetzwerken sowie das aktuelle Verh\u00e4ltnis von Angebot und Nachfrage im eigenen Shop.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">(Halb-)Automatische Preisfindung<\/h1>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Letzteres z\u00e4hlen H\u00e4ndler beispielsweise, wie oft Kaufinteressenten auf die jeweilige Produktseite zugreifen und wie oft sie ein Produkt in einen Warenkorb legen. Nicht zuletzt ber\u00fccksichtigen sie die tats\u00e4chlichen K\u00e4ufe. In den vergangenen Jahren spielte au\u00dferdem die Verf\u00fcgbarkeit des Angebots eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle. Gerade wenn ein H\u00e4ndler aufgrund von Engp\u00e4ssen in der Lieferkette einen knappen Warenbestand hat, wird er alles daran setzen, diesen mit einer m\u00f6glichst hohen Marge zu verkaufen \u2013 ohne zu schnell ausverkauft zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>In anderen F\u00e4llen, wie bei Bekleidung und Schuhen, spielt zudem die Saisonalit\u00e4t eine wichtige Rolle. So kann das System die Preise \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum immer weiter senken, wenn die Nachfrage zur\u00fcckgeht. Damit f\u00f6rdert es den Abverkauf und r\u00e4umt die Lager. Au\u00dferdem versucht es, externe Faktoren wie Wetterprognosen oder Ferientermine zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dynamic-Pricing-Software enth\u00e4lt zu diesem Zweck Regelwerke, in die zudem Einflussfaktoren wie Einkaufspreise und laufende Betriebskosten einflie\u00dfen. Anbieter von Dynamic-Pricing-Tools werben damit, dass H\u00e4ndler mit guten datenbasierten Regelwerken bessere Margen erzielen, weil diese differenzierter, objektiver und weniger emotional agieren als ein Mensch. E-Commerce-Experten halten die dynamische Preisfindung f\u00fcr eine der effektivsten M\u00f6glichkeiten, die Durchschnittsmargen zu erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" width=\"1220\" height=\"673\" src=\"https:\/\/www.starsellersworld.com\/intl\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/amazon_keepa-0e61cfb3f26e779b.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-1060\" srcset=\"https:\/\/www.starsellersworld.com\/intl\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/amazon_keepa-0e61cfb3f26e779b.webp 1220w, https:\/\/www.starsellersworld.com\/intl\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/amazon_keepa-0e61cfb3f26e779b-300x165.webp 300w, https:\/\/www.starsellersworld.com\/intl\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/amazon_keepa-0e61cfb3f26e779b-1024x565.webp 1024w, https:\/\/www.starsellersworld.com\/intl\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/amazon_keepa-0e61cfb3f26e779b-768x424.webp 768w\" sizes=\"(max-width: 1220px) 100vw, 1220px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit Tools wie dem Browser-Plug-in Keepa, das Amazon und eBay ber\u00fccksichtigt, k\u00f6nnen H\u00e4ndler und Verbraucher Preisschwankungen anhand verschiedener Parametern nachvollziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>e komplexer die Regelwerke werden, desto un\u00fcbersichtlicher und intransparenter wird jedoch die Preisermittlung \u2013 auch aus Sicht der Shopbetreiber. Viele H\u00e4ndler passen die Preisgestaltungswerkzeuge daher zus\u00e4tzlich mit eigenen Regeln und Erfahrungen an, um keine Fehlentscheidungen zu riskieren. So k\u00f6nnen sie der Software zum Beispiel einen Preiskorridor vorgeben, damit sie Kunden nicht durch zu hohe Preise abschrecken oder Waren unter den eigenen Kosten verramschen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"nav_preiskampf_bei__0\">Preiskampf bei Amazon<\/h3>\n\n\n\n<p>Die dynamische Preisgestaltung auf dem Amazon Marketplace spielt f\u00fcr viele H\u00e4ndler eine besondere Rolle \u2013 und zeigt Verbrauchern das Geschehen wie unter einem Brennglas. Die Konkurrenz ist hier besonders gro\u00df, der Kampf um den Absatz besonders hart. So \u00e4ndert sich bei Amazon der angezeigte Preis, insbesondere f\u00fcr Markenprodukte, statistisch h\u00e4ufiger als anderswo im E-Commerce.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/imgs\/18\/4\/2\/8\/6\/2\/9\/0\/amazon_buybox-19f0692767c705de.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/heise.cloudimg.io\/v7\/_www-heise-de_\/imgs\/18\/4\/2\/8\/6\/2\/9\/0\/amazon_buybox-19f0692767c705de.png?force_format=avif%2Cwebp%2Cjpeg&amp;org_if_sml=1&amp;q=70&amp;width=456\" alt=\"Amazons &quot;Buy Box&quot; zeigt den Preis, den Amazon f\u00fcr den besten aller H\u00e4ndler mit bestimmten Qualit\u00e4tsmerkmalen h\u00e4lt \u2013 sich selbst eingeschlossen.\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Amazons &#8222;Buy Box&#8220; zeigt den Preis, den Amazon f\u00fcr den besten aller H\u00e4ndler mit bestimmten Qualit\u00e4tsmerkmalen h\u00e4lt \u2013 sich selbst eingeschlossen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Besonders hart umk\u00e4mpft ist Amazons &#8222;Buy Box&#8220;: \u00dcber sie laufen je nach Produktkategorie 60 bis 90 Prozent des Gesamtabsatzes. In der Box landet der Anbieter mit der aus Sicht von Amazon besten Kombination aus Preis und Verk\u00e4uferleistung, zu der Amazon Verf\u00fcgbarkeit, Zuverl\u00e4ssigkeit, Geschwindigkeit und Bewertungen z\u00e4hlt \u2013 sich selbst eingeschlossen. Der Anbieter von Preisfindungssoftware Sellerlogic hat in einer Studie festgestellt, dass sich der Preis in der Box bei etwa der H\u00e4lfte aller Markenprodukte mehr als 14-mal pro Tag \u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser Konkurrenzsituation profitiert der Kunde nicht immer. Fast alle gro\u00dfen Marketplace-H\u00e4ndler nutzen Pricing-Tools zur Optimierung ihrer Margen.<\/p>\n\n\n\n<p>Echte Schn\u00e4ppchen sind daher vor allem bei vergleichbaren Markenartikeln selten, wie Marketplace-H\u00e4ndler und Dienstleister \u00fcbereinstimmend erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunden sollten also nicht nur auf das Angebot in der Buy Box achten: \u00dcber die darunter erreichbare Gesamtliste der Angebote (&#8222;Andere Verk\u00e4ufer auf Amazon&#8220;) erzielen sie oft bessere Preise.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Psychologische Tricks<\/h1>\n\n\n\n<p>Der g\u00fcnstigste Anbieter spielt vor allem bei hart umk\u00e4mpften und gut vergleichbaren Artikeln eine Rolle, die Kunden h\u00e4ufig \u00fcber Preissuchmaschinen und Handelsplattformen wie Amazon Marketplace suchen. Will ein H\u00e4ndler seinen Bekanntheitsgrad steigern, stellt er seine Software so ein, dass sie an wichtigen Handelstagen wie der Vorweihnachtszeit die begehrtesten Artikel immer ein paar Prozentpunkte billiger anbietet als die Konkurrenz. Ein eventuelles Minus verbucht er als Marketingbudget. Das geschieht aber selten vollautomatisiert, da ein fehlerhafter Preis eines anderen Anbieters den eigenen Preis komplett ruinieren kann. Handelsexperten raten ohnehin zum zweitg\u00fcnstigsten Angebot. Der H\u00e4ndler bleibt in den Preissuchmaschinen sichtbar, das Risiko zu hoher Rabatte sinkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie oft Onlineh\u00e4ndler an der Preisschraube drehen, h\u00e4ngt von der Produktkategorie und von der Marktsituation ab. Auch wenn sie es technisch k\u00f6nnten, \u00e4ndern sie die Preise selten im Minuten- oder Stundentakt, sondern nur bei bestimmten Schwellenwerten. Das hat mit Psychologie zu tun: Studien zufolge reagieren Kunden verunsichert (oder misstrauisch), wenn ein Preis zu stark schwankt und sie dahinter kein Muster erkennen. Sie warten dann oftmals weiter ab, ob der Preis noch besser wird \u2013 oder kaufen erst recht nicht, wenn er wieder steigt. Aus \u00e4hnlichen Gr\u00fcnden halten Shops meist an bekannten Preisschemata fest, runden also etwa auf den Euro oder auf 90 Cent.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/imgs\/18\/4\/2\/8\/6\/2\/9\/0\/booking_mobil-8e4849e4b259fc7d.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/heise.cloudimg.io\/v7\/_www-heise-de_\/imgs\/18\/4\/2\/8\/6\/2\/9\/0\/booking_mobil-8e4849e4b259fc7d.jpg?force_format=avif%2Cwebp%2Cjpeg&amp;org_if_sml=1&amp;q=70&amp;width=456\" alt=\"Booking.com unterteilt Nutzergruppen nach Buchungsfrequenz und bietet App-Nutzern Rabatte. \"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Booking.com unterteilt Nutzergruppen nach Buchungsfrequenz und bietet App-Nutzern Rabatte.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Manche H\u00e4ndler versuchen auch, die vermutete Zahlungsbereitschaft und Preissensibilit\u00e4t einzelner Kunden oder Kundengruppen f\u00fcr sich zu nutzen. Bei ihnen richtet sich der Preis beispielsweise danach, ob der Kunde ihn \u00fcber das Notebook am Schreibtisch recherchiert, auf dem Smartphone sucht oder gar \u00fcber die H\u00e4ndler-eigene App kommt. Das funktioniert in beide Richtungen. Ein kleines Experiment lieferte uns zum Beispiel Indizien f\u00fcr die Annahme, dass eine Online-Apotheke ein Schnupfenspray in der App etwas teuer anbietet als auf der Website oder in einem Vergleichsportal. Die m\u00f6gliche Kalkulation: App-Nutzer sind h\u00e4ufiger Stammkunden und vergleichen Preise seltener als Nutzer von Preissuchmaschinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Umgekehrt sieht es auf Hotel- und Urlaubsportalen mit ihren besonders volatilen Preisen aus. Wer sie mit einem Smartphone aufruft oder sich als Stammkunde mit einem Konto angemeldet hat, bekommt f\u00fcr seine Treue oft g\u00fcnstigere Angebote als PC-Nutzer sowie Neu- und Gelegenheitskunden. Das Reiseportal Booking.com geht mit dieser Strategie relativ transparent um und erkl\u00e4rt unmissverst\u00e4ndlich, dass man auf Mobilger\u00e4ten sowie bei h\u00e4ufigen Buchungen bessere Preise erh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"nav_gl\u00e4serne_kunden_0\">Gl\u00e4serne Kunden<\/h3>\n\n\n\n<p>Technisch l\u00e4sst sich der Preis noch weiter personalisieren. Viele H\u00e4ndler erfassen gerade bei eingeloggten Stammkunden s\u00e4mtliche Klicks, Mausbewegungen und Lesezeiten. Daraus erstellen sie eine sogenannte &#8222;Customer Journey&#8220;. So nennen Marketingexperten das Verhalten des Kunden \u00fcber zahlreiche Zwischenstationen bis hin zum Kaufabschluss. Auf Basis dieser Daten und stochastischer Methoden wird individualisiertes Marketing m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>So k\u00f6nnte ein Algorithmus einem Kunden, der regelm\u00e4\u00dfig nach Produkten aus dem Luxussegment sucht, ein Sonderangebot machen. Einem anderen Kunden, den der Algorithmus als besonders sparsam und preissensibel klassifiziert, bietet er ein Auslaufmodell um einige Prozentpunkte g\u00fcnstiger an. Ein dritter Kunde wiederum erh\u00e4lt einen besonderen Preis f\u00fcr ein Produkt, den er k\u00fcrzlich in den Warenkorb gepackt hat, ohne den Kauf abzuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraus entsteht eine Zwickm\u00fchle: Zwar liefert jeder eingeloggte Kunde dem H\u00e4ndler eine Vielzahl von Datenpunkten. Doch die Kunden f\u00fchlen sich wom\u00f6glich \u00fcberwacht und ungerecht behandelt, wenn sie mehr zahlen m\u00fcssten als andere. Hinzu kommt, dass sie dies auf dem Bildschirm sehen w\u00fcrden: Laut der Preisangabenrichtlinie der EU m\u00fcssen Onlineshops und -marktpl\u00e4tze seit Ende Mai 2022 Preise kennzeichnen, die ein Algorithmus mithilfe pers\u00f6nlicher Daten oder Merkmale individualisiert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngige Untersuchungen haben aber auch in den Jahren zuvor keine Hinweise darauf gefunden, dass H\u00e4ndler ihre Preise systematisch und verdeckt individualisieren. 2018 kam eine Studie der Verbraucherzentralen und des Marktw\u00e4chters Digitale Welt zu dem Ergebnis, dass individualisierte Preise f\u00fcr bestimmte Kundengruppen, Endger\u00e4te oder Regionen die Ausnahme sind. Zu \u00e4hnlichen Ergebnissen kam zuletzt eine im Herbst 2020 durchgef\u00fchrte Studie des ibi-Institutes Regensburg im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz und f\u00fcr Verbraucherschutz. Einige der unterschiedlich ausgewiesenen Preise lie\u00dfen sich durch verz\u00f6gerte Aktualisierungen erkl\u00e4ren. Im virtuellen Warenkorb glichen sie sich oft wieder an.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Dynamische Preise ausnutzen<\/h1>\n\n\n\n<p>Mittlerweile sammelt vor allem der Onlinehandel unz\u00e4hlige Daten \u00fcber seine Kunden. Wer ist besonders preissensibel? Wer verh\u00e4lt sich loyal? Wer hat eine hohe Kaufkraft? Wenn Sie diese Faktoren kennen, k\u00f6nnen Sie sie ber\u00fccksichtigen und im besten Fall f\u00fcr sich ausnutzen. Selbst wenn es die Preise nicht beeinflusst, kennt der H\u00e4ndler Sie ein St\u00fcck weit weniger genau.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bekannte und unbekannte Kunden<\/strong>: Die Such- und Bestellhistorie eines Kunden verr\u00e4t dem Onlineh\u00e4ndler viel \u00fcber dessen Interessen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Sie sich in Ihr Benutzerkonto eingeloggt haben. Der H\u00e4ndler zeigt Ihnen auf der Startseite dann Produkte, die Ihren Vorlieben entsprechen. Auf \u00e4hnliche Weise kann der H\u00e4ndler Ihre Preise anpassen. Abhilfe schafft der Inkognito- oder Privatmodus des Browsers, au\u00dferdem sollten Sie Cookies ablehnen und den Browser-Cache vorher leeren. Loggen Sie sich m\u00f6glichst sp\u00e4t vor dem Kauf in Ihr Kundenkonto ein, da der Shop sonst jedes aufgerufene Produkt protokolliert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geolokalisierung:<\/strong>&nbsp;IP-Adresse und Geodaten verraten, wo Sie sich aufhalten. Die Preise k\u00f6nnen niedriger ausfallen, wenn die Pricing-Software an diesem Ort eine geringere Kaufkraft vermutet und umgekehrt. Anders als in den USA nutzen H\u00e4ndler diese Geolokalisierung in Deutschland bislang nicht nach regionalen oder gar lokalen Gesichtspunkten. Wohl aber bieten einige H\u00e4ndler Kunden aus der Schweiz andere Preise an als Kunden aus Deutschland. Wenn Sie ein VPN-Tool einsetzen, k\u00f6nnen Sie Ihren Standort verschleiern. Die dann angezeigten Preise m\u00fcssen aber nicht unbedingt niedriger sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zeiten:<\/strong>&nbsp;Die Nachfrage \u00e4ndert sich je nach Tageszeit und Wochentag. Daraus k\u00f6nnen H\u00e4ndler unterschiedliche Preise berechnen und Schl\u00fcsse ziehen \u2013 und Sie als Kunde antizyklisch handeln. Schwellenwerte sorgen jedoch daf\u00fcr, dass sich Preise oft nur in Ausnahmef\u00e4llen signifikant entlang solcher Rhythmen \u00e4ndern. Einheitliche Regeln lassen sich daraus nicht ableiten. Etwas anderes sind die klassischen Faktoren Saison, Modellwechsel und bestimmte umk\u00e4mpfte Tage wie der &#8222;Black Friday&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Endger\u00e4t und Kanal:<\/strong>&nbsp;Ob Sie \u00fcber den Desktop-Browser, das Smartphone oder das Tablet (und dort \u00fcber den Browser oder die H\u00e4ndler-App) ein besseres Angebot bekommen, l\u00e4sst sich pauschal nicht sagen. Die H\u00e4ndler finden dies \u00fcber Abfragen heraus und einige spielen damit. Manche Unternehmen interpretieren etwa iOS- und Safari-Nutzer als besonders zahlungsbereit. \u00c4hnlich wie bei der Geolokalisierung ziehen sie daraus R\u00fcckschl\u00fcsse auf Ihre finanziellen Spielr\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem glauben einige H\u00e4ndler, dass Nutzer der hauseigenen App besonders treu sind. Reiseportale wie Booking.com und Shopping-Clubs bieten Ihnen als registriertem App-Kunden g\u00fcnstigere Preise an, zum Beispiel Restpl\u00e4tze in bestimmten Hotels oder auf Kreuzfahrtschiffen g\u00fcnstig anbieten. Andere Anbieter gehen davon aus, dass Stammkunden seltener die Preise der Konkurrenz recherchieren und zeigen in der App h\u00f6here Preise als im Browser an. Ausprobieren hilft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kaufabbrecher:<\/strong>&nbsp;Besonders \u00e4rgerlich ist es f\u00fcr H\u00e4ndler, wenn Sie als Kunde kurz vor der virtuellen Kasse den Kauf abbrechen. Haben Sie ein Kundenkonto, lohnt es sich daher manchmal, die gew\u00fcnschte Ware in den Warenkorb zu legen und abzuwarten. Einige Onlineh\u00e4ndler machen dann ein Rabattangebot, erlassen Versandkosten oder bieten ein Extra-Goodie an.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Preisvergleichsportalen wie Idealo oder Geizhals (geh\u00f6rt wie c\u2019t zur Heise-Gruppe) bieten manche Webshops zuweilen bessere Preise an als in ihrem eigenen Shop. Der Klick im Portal f\u00fchrt dann auf eine Landingpage oder enth\u00e4lt einen URL-Zusatz.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Station\u00e4rer Handel<\/h1>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"nav_preise_0\">Preise<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch der station\u00e4re Einzelhandel ist heute in der Lage, Preise automatisiert und zentral gesteuert anzupassen. Wenn beispielsweise die Filiale einer Elektronikkette bestimmte Waren f\u00fcr zwei Tage pauschal um den Mehrwertsteuersatz reduziert, so geschieht dies \u00fcber elektronische Preisschilder, sogenannte &#8222;Electronic Shelf Labels&#8220; (ESL). Mit ESL kann ein M\u00f6belh\u00e4ndler aus seiner zentralen Warenwirtschaft heraus den Preis f\u00fcr diese Ware gezielt und regional f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum anpassen \u2013 automatisch oder per Klick. So h\u00e4lt er seine Tiefpreisgarantie auch dann ein, wenn die Konkurrenz von gegen\u00fcber einen bestimmten Fernsehsessel pl\u00f6tzlich im Angebot hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas schematischer \u00e4ndern immer mehr Tankstellen-Shops ihre Preise. W\u00e4hrend der regul\u00e4ren \u00d6ffnungszeiten der Superm\u00e4rkte bieten sie \u00e4hnliche Preise an, abends oder sonntags erh\u00f6hen sie diese automatisch. Auch flexible Preise sind denkbar, zum Beispiel f\u00fcr Grillwaren an regnerischen Sp\u00e4tsommertagen. Gro\u00dfe Einzelh\u00e4ndler steuern Preise zentral \u2013 entweder \u00fcbergreifend f\u00fcr die ganze Kette oder f\u00fcr jede Filiale einzeln. Die \u00c4nderungen kommen entweder \u00fcber eine Strom- und Signalversorgung am Regal oder per Funk in die elektronischen Preisschilder.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/imgs\/18\/4\/2\/8\/6\/2\/9\/0\/mediamarkt_ests_-0866fc2261d09031.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/heise.cloudimg.io\/v7\/_www-heise-de_\/imgs\/18\/4\/2\/8\/6\/2\/9\/0\/mediamarkt_ests_-0866fc2261d09031.jpg?force_format=avif%2Cwebp%2Cjpeg&amp;org_if_sml=1&amp;q=70&amp;width=1220\" alt=\"Mit solchen vernetzten E-Ink-Preisschildern k\u00f6nnen Handelsketten Preise jederzeit zentral und f\u00fcr jede Filiale einzeln \u00e4ndern. \"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Mit solchen vernetzten E-Ink-Preisschildern k\u00f6nnen Handelsketten Preise jederzeit zentral und f\u00fcr jede Filiale einzeln \u00e4ndern.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Einzelhandel ersetzt monochrome LCDs zunehmend durch E-Paper, die nur Strom ben\u00f6tigen, wenn sich die Anzeige \u00e4ndert. Eine Batterie in solchen vollgrafischen Displays h\u00e4lt f\u00fcnf bis acht Jahre. Sie k\u00f6nnen neben Schrift auch Bilder, Logos, Barcodes und QR-Codes anzeigen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"nav_preis\u00e4nderungen__1\">Preis\u00e4nderungen: H\u00e4ndler zur\u00fcckhaltend<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der \u00d6ffnungszeiten sehen Kunden solche Preis\u00e4nderungen jedoch. Wenn der Preis steigt, k\u00f6nnte Unmut aufkommen \u2013 umso mehr, wenn der Preis an der Kasse pl\u00f6tzlich h\u00f6her ist als f\u00fcnf Minuten zuvor noch am Regal. Fragt man den Handel, wo und in welcher Form er Dynamic Pricing bereits einsetzt, st\u00f6\u00dft man zumindest in den Zentralen der gro\u00dfen Ketten auf eine Mauer des Schweigens. Ein Franchise-Nehmer verriet uns immerhin, dass es in seiner Lebensmitteleinzelhandelskette situative Preissenkungen gebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel seien Sonderposten, die sich nicht wie erwartet verkauft haben und am Ende eines Angebotszeitraums mit einer m\u00f6glichst noch akzeptablen Marge abgesetzt werden sollen. Fr\u00fcher habe man eher nach Bauchgef\u00fchl reduziert. Heute k\u00f6nne man mit Daten arbeiten, darunter Erfahrungswerten aus vergleichbaren Aktionen der eigenen und anderer Filialen mit \u00e4hnlichen Rahmenbedingungen. Mit Preiserh\u00f6hungen mitten am Tag seien viele Lebensmitteleinzelh\u00e4ndler hingegen zur\u00fcckhaltend. Damit best\u00e4tigt er den eingangs ge\u00e4u\u00dferten Gedanken: Die Furcht vor Image-Sch\u00e4den ist gerade in Zeiten der Inflation zu gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h1>\n\n\n\n<p>Kunden sollten im Hinterkopf haben, dass der Handel mithilfe gro\u00dfer Datenmengen seine allgemein g\u00fcltigen Preise schon heute deutlich passgenauer justiert als fr\u00fcher. In vielen F\u00e4llen ist das sogar eine Win-Win-Situation: H\u00e4ndler und Versender verbessern ihren Absatz, ohne dass Kunden daf\u00fcr mehr bezahlen m\u00fcssen. Die Anbieter der Dynamic-Pricing-Software versprechen, dass Machine-Learning- und KI-Komponenten in den n\u00e4chsten Jahren zunehmend auch vorausschauend arbeiten (sogenanntes &#8222;Predictive Pricing&#8220;).<\/p>\n\n\n\n<p>Schon heute kombiniert die Software h\u00e4ndlerinterne Daten wie Kundenverhalten, Produktverk\u00e4ufe, Lagerbest\u00e4nde oder laufende Werbekampagnen mit externen Marktdaten wie Wettbewerb oder Saisonalit\u00e4t. Mit KI-gest\u00fctzten Tools versuchen H\u00e4ndler, anhand von Mustern und Erfahrungen aus der Vergangenheit k\u00fcnftige Entwicklungen zu prognostizieren und ihre Gesch\u00e4fte besser zu planen \u2013 ob zum Wohl des Kunden, bleibt abzuwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn l\u00e4ngerfristig k\u00f6nnten H\u00e4ndler mithilfe von KI-Algorithmen noch genauer bestimmen, welchen maximalen Preis man als Kunde noch zahlen w\u00fcrde. Das hat derzeit noch Grenzen: Individuell bepreiste Waren sind und bleiben ein hei\u00dfes Eisen, vor dem die meisten Kaufleute noch zur\u00fcckschrecken.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ndler m\u00fcssen den Einsatz von KI zur individuellen Preisgestaltung nach der EU-Preisangabenrichtlinie auf jeden Fall kennzeichnen. Zudem ben\u00f6tigen die Shops eine informierte Einwilligung der Kunden, um Daten zu sammeln und zu verarbeiten. Um diese zu erhalten, locken schon heute viele\u00a0<a href=\"https:\/\/www.starsellersworld.com\/preisoptimierung-repricing\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">Shopping-Apps (Test)<\/a>\u00a0mit kleinen Rabatten. So verlockend diese auch sein m\u00f6gen: Bleiben Sie wachsam. Denn Sie geben damit Ihr Einkaufsverhalten preis und dem H\u00e4ndler die M\u00f6glichkeit, Ihnen am Ende mehr zu verkaufen, als Sie urspr\u00fcnglich wollten.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.starsellersworld.com\/preisoptimierung-repricing\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">15.08.2023 12:30 Uhr | Tobias Weidemann | c&#8217;t Magazin<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Onlineh\u00e4ndler sammeln Daten und passen Preise in Echtzeit an. Kennt man das System, kann man sich gegen die Datensammelei wehren und bessere Preise erzielen. nton, Berta und Claus planen eine Reise. Die drei recherchieren gemeinsam auf einer bekannten Buchungsplattform, sitzen aber an unterschiedlichen Orten und nutzen unterschiedliche Ger\u00e4te. 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