Mit jeder neuen regulatorischen Vorgabe steigt der Druck auf Händler: Daten müssen vollständiger werden, Prozesse robuster und die technische Anbindung an Marktplätze sauberer. eBay hat jetzt ein weiteres Bausteinchen in Richtung automatisierte Compliance ergänzt: das neue Artikelmerkmal „EPREL-Registrierungsnummer“ für Produkte mit Energieeffizienzkennzeichnung (EEK).

Als Integrator, der Powerseller sowohl im Business Development als auch operativ über ein eigenes Cloud-System für eCommerce- und Supply-Chain-Prozesse unterstützt, sehe ich diese Neuerung vor allem aus einer Perspektive: Sie ist weniger „nice to have“ und mehr ein konkreter Hebel, um EEK-Pflichten technisch sauber und skalierbar abzubilden.
Dieser Beitrag ordnet ein, was sich ändert, für wen es relevant ist, wie Händler die Nummer beschaffen – und wo wir in der technischen Umsetzung aktuell stehen.
1) Was ist neu: EPREL-Registrierungsnummer als Artikelmerkmal bei eBay
eBay bietet ab sofort ein neues Artikelmerkmal „EPREL-Registrierungsnummer“ an. Wird dort eine gültige EPREL-Nummer (European Product Registry for Energy Labelling) hinterlegt, übernimmt eBay automatisch die dazugehörigen Energieeffizienzinformationen und zeigt sie im Angebot an, insbesondere:
- Energieeffizienzlabel
- Produktdatenblatt
Das ist wichtig, weil damit ein Teil der Pflichtinformationen, die sonst oft manuell gepflegt oder über separate API-Felder übertragen werden, standardisiert und automatisiert werden kann – vorausgesetzt, die EPREL-Daten sind korrekt und in den richtigen Kategorien hinterlegt.
2) Warum das für Powerseller besonders relevant ist
Powerseller und volumenstarke Händler sind oft nicht deshalb „betroffen“, weil sie andere Regeln hätten – sondern weil Skalierung jede Pflichtanforderung verschärft:
- Was bei 30 Listings noch „per Hand“ funktioniert, wird bei 3.000 Listings zum Risiko.
- Ein fehlendes Pflichtfeld ist nicht nur ein Einzelfall, sondern kann ganze Sortimente betreffen.
- Je nach Produktgruppe und Zielmarkt drohen:
- Compliance-Verstöße
- schlechtere Angebotsqualität bzw. geringere Sichtbarkeit
- operative Reibung (Tickets, Nacharbeiten, Datenchaos)
Kurz: Regulatorik wird zu einem Datenthema. Und Datenthemen werden bei Powersellern automatisch zu Prozess- und Systemthemen.
3) Regulatorischer Kontext: EEK-Pflichten und warum das nicht „optional“ ist
Die EU-Vorgaben verpflichten Verkäufer, für bestimmte Produktgruppen Energieeffizienzkennzeichnungenbereitzustellen. Dazu zählen u. a.:
- Haushaltsgeräte
- Smartphones
- Tablets
- Reifen
Relevanz entsteht immer dann, wenn Händler:
- innerhalb der EU verkaufen oder
- in EU-Länder bzw. nach Nordirland liefern/versenden
Wichtig ist die Perspektive: Auch wenn Händler nicht Hersteller sind, bleiben sie in der Praxis häufig derjenige, der im Listing sichtbar verantwortlich ist. Das macht saubere Prozesse zur Datenbeschaffung und -pflege so zentral.
4) EPREL in der Praxis: Woher bekomme ich die EPREL-Registrierungsnummer?
Für Händler ist die wichtigste Frage selten „Was ist EPREL?“ – sondern: Wie komme ich zuverlässig an die Nummern, und wie halte ich sie dauerhaft korrekt?
Typische Wege sind:
- QR-Code auf dem Energieeffizienzlabel scannen
Viele Produkte führen die EPREL-Referenz direkt über den QR-Code. - Suche in der EPREL-Datenbank über die GTIN
Wenn die GTIN sauber gepflegt ist, lässt sich die Registrierungsnummer häufig über die Datenbank auffinden. - Hersteller anfragen
Gerade im B2B-Einkauf ist das oft der zuverlässigste Weg: EPREL-Nummer als verpflichtender Datenpunkt in die Lieferantenkommunikation integrieren.
Meine Empfehlung aus Integrator-Sicht: EPREL nicht als „Listing-Feld“ betrachten, sondern als Masterdaten-Attribut, das in euren Produktdaten sauber verankert sein muss (wie Marke, Modell, GTIN). Nur dann bleibt es skalierbar.
5) Technische Einordnung: Welche Kategorien unterstützen EEK/EPREL überhaupt?
Nicht jede eBay-Kategorie unterstützt automatisch EEK/EPREL. eBay weist das über die Kategorie- und Metadaten aus. Technisch lässt sich prüfen, welche Leaf-Kategorien EEK unterstützen:
- Über die Methode getRegulatoryPolicies der eBay Metadata API
Kategorien, die EEK-Labels unterstützen, liefern im Response untersupportedAttributes.nameden Wert ENERGY_EFFICIENCY. - Alternativ über getItemAspectsForCategory oder fetchItemAspects (in Kombination mit dem Taxonomy SDK), um die unterstützten Aspekte je Kategorie zu ermitteln.
Für Händler bedeutet das: Selbst wenn ihr EPREL-Daten habt, muss die Kategorisierung stimmen – sonst greift die Automatisierung nicht zuverlässig.
6) Der wichtigste Punkt: EPREL als Alternative zu bestehenden API-Containern
eBay positioniert das EPREL-Artikelmerkmal als Alternative zu den bisherigen Varianten:
EnergyEfficiencyLabel-Container (Trading API)energyEfficiencyLabel-Container (Inventory API)
Und: Wenn beide Varianten geliefert werden, haben die Container Vorrang.
Das ist relevant für alle, die bereits eine bestehende EEK-Integration haben. In solchen Fällen sollte klar entschieden werden:
- Bleiben wir bei den Containern?
- Oder stellen wir um auf EPREL als standardisiertes Merkmal?
- Oder nutzen wir beides bewusst (wissen aber, dass die Container priorisiert werden)?
Aus Integrator-Sicht ist hier eine saubere Architekturentscheidung wichtiger als „irgendwie liefern“. Doppelte Datenpfade führen erfahrungsgemäß zu Inkonsistenzen, die später schwer zu debuggen sind.
7) Unser Umsetzungsstand als Integrator: Was geht heute schon – und was folgt als Nächstes?
Was heute bereits möglich ist
In unserem Cloud-basierten Supply Chain Management System können Powerseller die neuen EPREL-Registrierungsnummern bereits in den Importprozess aufnehmen und als Produktmerkmal pflegen.
Das bedeutet:
- EPREL kann als Produktdaten-Attribut zentral verwaltet werden
- es ist in den Datenflüssen verfügbar, bevor es live im eBay-Listing ausgespielt wird
- Händler schaffen damit die Grundlage, ohne später hektisch nachpflegen zu müssen
Was aktuell noch nicht umgesetzt ist
Der zweite Teil – die Anpassung des Datenfeeds für die eBay Sell Feed API (REST API), um EPREL-Informationen automatisiert in Richtung eBay auszuspielen – ist noch nicht umgesetzt.
Das ist kein „Kleinteil“, sondern typischerweise eine saubere Implementierungsaufgabe, weil dabei Fragen geklärt werden müssen wie:
- in welchen Leaf-Kategorien ist EPREL/EEK technisch aktiv?
- welche Item Specifics sind je Kategorie erforderlich?
- wie werden Validierungen, Fehlermeldungen und Fallbacks gehandhabt?
- wie verhindern wir Konflikte, wenn Händler parallel noch Container-basierte EEK-Daten liefern?
Warum wir das so angehen
Für Powerseller ist entscheidend, dass eine Lösung:
- stabil läuft,
- fehlerrobust ist,
- und nicht bei jeder Kategorienänderung oder eBay-Anpassung manuell nachgezogen werden muss.
Deshalb ist eine kontrollierte, systematische Umsetzung wichtiger als ein „Quick Fix“.
8) Handlungsempfehlung für Händler: Was ihr jetzt konkret tun solltet
Damit ihr nicht erst reagiert, wenn eBay oder regulatorische Prüfungen Druck erzeugen, empfehle ich eine pragmatische Reihenfolge:
- Sortiment prüfen: Welche Artikelgruppen sind EEK-relevant (Haushaltsgeräte, Smartphones, Tablets, Reifen etc.)?
- Datenbasis sichern: GTIN, Marke, Modell und EPREL-Nummer als Masterdaten-Attribute konsistent pflegen.
- Beschaffungsprozess definieren: EPREL-Nummern vom Hersteller/Distributor als Pflichtdaten anfordern.
- Systemseitig vorbereiten: EPREL-Feld in Import/Produktdaten integrieren (das ist bei uns bereits möglich).
- Feed/REST-Planung aufsetzen: Für die Ausspielung in Richtung eBay ist ein klarer Plan nötig (Kategorieprüfung, Mapping, Validierung).
9) Ausblick: EPREL ist nicht das letzte Compliance-Thema (GPSR inklusive)
EPREL reiht sich in eine Entwicklung ein, die Powerseller bereits kennen: Marktplätze werden stärker zu Compliance-Gatekeepern, weil sie regulatorische Anforderungen in Datenmodelle übersetzen.
Parallel dazu gewinnen andere Themen weiter an Bedeutung, etwa GPSR und damit verbundene Informationspflichten. Für Händler wird entscheidend, dass sie nicht jede Neuerung „als Einzellösung“ anfassen, sondern ihre Prozesse und Systeme so aufstellen, dass neue Felder und Pflichten schnell, sauber und skalierbar integriert werden können.
Fazit
Die EPREL-Registrierungsnummer als neues eBay-Artikelmerkmal ist ein klarer Schritt hin zu mehr Automatisierung bei Energieeffizienzangaben. Für Powerseller ist das vor allem ein Signal: EEK-Compliance wird datengetrieben und systemseitig verpflichtender.
Die gute Nachricht: Wer jetzt seine Produktdaten sauber aufstellt und EPREL als Masterdatenattribut integriert, gewinnt Zeit, reduziert spätere Hektik und schafft die Grundlage für eine stabile Feed-Automatisierung.
In unserem System können EPREL-Registrierungsnummern bereits heute in den Importprozess aufgenommen und gepflegt werden. Die REST-basierte Ausspielung über die Sell Feed API ist der nächste technische Schritt und wird strukturiert umgesetzt, um eine robuste und konfliktfreie Integration sicherzustellen.
Wenn ihr Fragen habt, welche Produktgruppen bei euch konkret betroffen sind oder wie eine saubere Daten- und Feed-Strategie aussieht, ist das ein Thema, das man frühzeitig und systematisch angehen sollte – nicht erst, wenn Listings nachbearbeitet werden müssen.